Page 22 - PRFormelAbstract
P. 22

7 | Die kreative Methode komplett beherrschen




                       OsbornhatteinseinerBeratungs–PraxisparallelzudenUntersuchungsergeb­
                       nissen von Robert F . Bales in Harvard festgestellt, dass Arbeitsgruppen – wie
                       er es nannte – »kreativer Imagination« Widerstände entgegensetzen. (14) Ihm
                       war aufgefallen, dass dieser Imagination mittels beurteilender Argumentati­
                       onen und Skeptizismus folgenreich gegengesteuert wird. In die Sprache von
                       Bales› Ansatz übersetzt zeigte sich, dass die offen zu tage tretende B–Orien­
                       tierunginderArbeitssituationstetsmitmassivenÄußerungenderF–Orientie­
                       rung konfrontiert wurde.


                         Osborn hatte in diesem Zusammenhang eine differenzierte Sichtweise. Er
                       stellte im Detail fest, dass die Vorteile und Stärken des beurteilenden Denkens
                       (F) in der Gruppe darin bestehen, Arbeitsschritte zu organisieren, Fakten zu
                       analysieren, abzuwägen, zu vergleichen, zusammenzufassen und Schlussfol­
                       gerungen zu bilden. Die Stärke der kreativen Imagination (B), sah er darin, auf­
                       grundvonFaktenzuimprovisieren,umzuneuenLösungenzukommen,neue
                       Verbindungen herzustellen und ungewöhnliche Ideen zu produzieren.


             Osborn      Osborn erkannte, dass hohe kreative Produktivität im Zusammenhang mit
          »bändigte«   Kommunikations–Aufgabenstellungen möglich ist und regelmäßig erreicht
           einseitiges  werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die beiden betrach­
             Denken.   teten gegenläufigen Kompetenzen abgestimmt und separiert voneinander
                       arbeiten können, ohne sich gegenseitig zu stören. Denn hat das beurteilende
                       Denken(F)ÜberhandgegenüberderImagination(B),wirkeneinseitigeArbeits­
                       routinen, die im Laufe der Zeit die Effektivität der Gruppenarbeit an Problem­
                       lösungenstagnierenlassen.MitBlickaufdasEinstein–Zitat,dasdiesemKapitel
                       vorweggestellt ist, können wir sagen, dass sich in dieser Konstellation Mitar­
                       beiter in »Holzhacker« verwandeln. Wird andererseits die kreativeImagination
                       (B)überakzentuiert, häufen sich ungeprüfte, zu wenig durchdachte Ideen, die
                       zu keinen befriedigenden Ergebnissen und stattdessen zu chaotisch anmu­
                       tenden Arbeitssituationen führen.


                         Der Weg zur gelingenden kreativen Arbeit besteht darin, die Gruppen­
                       arbeit von Kommunikations–Professionals so zu moderieren, dass sich beur­
                       teilendesDenkenundkreativeImaginationen – statt sich zu stören – gegenseitig
                       stützen.
   17   18   19   20   21   22   23   24   25   26   27